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An ihren Schuhen werdet ihr sie erkennen?!

„Also hatte Loriot doch Recht“ – 

So kommentiert ein Karikaturist den Rücktritt Josef Ratzingers, alias Benedikt XVI. Zu sehen ist eine neu eröffnete Herrenboutique mit dem Firmenschild „Ratzefummel“, hinter der Schaufensterscheibe ein Verkäufer mit den unverkennbaren Zügen des emeritierten Papstes, neben ihm eine Frau. Der Zeichner bezieht sich auf den bekannten Sketch „Der Lottogewinner“ von Loriot. Darin wird der Protagonist Erwin Lindemann durch ein Fernsehteam, das ihn zu seinen Zukunftsplänen befragt, so durcheinander gebracht, dass er zum Schluss behauptet, seine Tochter werde mit dem Papst in Wuppertal eine Herrenboutique eröffnen.

Verfolgt man die aktuellen Vorgänge in Rom, kommt man nicht umhin, mit einem Schmunzeln festzustellen, dass Loriot in einem, wenn auch  umgekehrten Sinn, immer noch Recht hat. Denn was den neuen Papst Franziskus in die Schlagzeilen bringt, ist sozusagen die Abschaffung (oder zumindest Sortimentsumstellung) der „päpstlichen Herrenboutique“: Keine roten Schuhe mehr, keine Prunkgewänder, keine päpstlichen Extras. Stattdessen gewöhnliches Schuhwerk, schlichte Kleidung, mit anderen Worten: Konzentration auf das Wesentliche. In der Öffentlichkeit stößt Papst Franziskus damit auf Begeisterung – in manchen (v.a. elitär-traditionalistischen) Kirchenkreisen dagegen eher auf Unverständnis und Verärgerung.

Ähnliche Erfahrungen machte Jahrhunderte vorher der päpstliche Namensvorgänger Franz von Assisi: Dieser war einst beim Bischof von Ostia, dem späteren Papst Gregor, als Gast geladen. Als die Zeit des Mittagsmahles heranrückte, ging Franziskus aus, „um Almosen zu sammeln. Und wie er zurückkam, legte er die Stücklein Schwarzbrot auf des Bischofs Tafel. Als das der Bischof sah, schämte er sich … (Franziskus) aber verteilte mit freudestrahlender Miene die empfangenen Almosen unter die Ritter und Geistlichen, die mit zu Tische saßen. Alle nahmen die Gaben mit bewundernswerter Ehrfurcht an“. Nach dem Mahle fragte der Bischof Franziskus unter vier Augen: „Mein Bruder, warum hast du mir diese Schande angetan? Franziskus aber erwiderte: Nein, vielmehr habe ich euch Ehre erwiesen, indem ich den größeren Herrn geehrt habe. Denn Gott hat Wohlgefallen … an der Bettlerarmut, die freiwillig ist. Ich aber besitze die königliche Würde und den außergewöhnlichen Adel, jenem Herrn nachzufolgen, der, obwohl er reich war, um unseretwillen arm geworden ist“. Am Ende war der Bischof von den Argumenten des Heiligen überzeugt und ermunterte ihn sogar, an seiner Haltung festzuhalten. (Cel. XLIII).

Möge es Papst Franziskus ähnlich ergehen. Noch steht sein neuer Stil, stehen seine unroten  Schuhe, im wohlwollend-neugierigen Interesse der Öffentlichkeit. Doch was wird geschehen, wenn sich die unvermeidlichen ersten Enttäuschungen einstellen – über theologische Positionen, personelle Entscheidungen oder gesellschaftlich-politische Standpunkte?

Werden dann seine Verlautbarungen und Handlungen in der Öffentlichkeit missbilligt, ja, als Schande betrachtet werden? Im Augenblick besteht jedenfalls die berechtigte Hoffnung, dass die unroten  Schuhe und die durch sie manifestierte geistliche Haltung des Papstes ermutigende Symptome eines „außergewöhnlichen  Adels sind, jenem Herrn nachzufolgen, der, „obwohl er reich war, um unseretwillen arm geworden ist“.

 

 


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