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Erinnerungen

An jenem Tag im blauen Mond September, still unter einem jungen Pflaumenbaum, da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe, in meinem Arm wie einen holden Traum ...

Auf einer Zugfahrt nach Berlin schreibt Bertold Brecht - knapp 22 Jahre alt, kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs - das Gedicht "Erinnerung an die Marie A.". Es ist ein großartiges Gedicht, das er da in sein Notizbuch kritzelt. Er - der mutige und radikale Dramatiker - streicht zärtliche Saiten der Lyrik an, dabei ebenso souverän wie sorgfältig die strengen Regeln der klassischen Poetik befolgend. Und doch schreibt er ein dialektisches Liebesgedicht. So vergänglich die Liebe sein mag, verschwindet sie nicht ganz: Eine vorbeiziehende Wolke - "sehr weiß und ungeheuer oben" - steht als Symbol für das, was ihn mit ihr verbindet.

Ausgerechnet das Vergangene wird so in einem subjektiven Prozess des Innewerdens von Erlebtem und Erfahrenem zur gegenwärtigen Erinnerung. Und damit zu einem großartigen, unendlichen, schmerzlich-schönen Reservoir, zu einer intimen Oase des eigenen Bewusst-Seins. Es ist etwas von dem Gewesenen da, das "bleibt". Welch wundersam scheinender Widerspruch.

Was bleibt, ist die Erinnerung. Sie erinnern sich?

 

*Das ganze Gedicht finden Sie in Bertold Brecht: Gesammelte Gedichte, Frankfurt am Main 1976, Edition Suhrkamp (edition suhrkamp Nr. 835-838)

 

 

 


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