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Ein nötiges Dreiecksverhältnis oder: der personale Gott ganz praktisch

Von der Zweckrationalität menschlichen Handelns wird viel gesprochen. Doch in den letzten Monaten wurde dieses Verhaltensschema auch in Frage gestellt. Nicht nur die Hirnforschung zeigt, wie wenig zweckrational gerade das ökonomische Verhalten des Menschen ist. Die Publikation „Moralische Identität“ entlarvt schnell die Illusion des rein zweckorientiert handelnden und denkenden Menschen. Und doch bleibt „der Nutzen“ ein großes Thema unserer Lebensausrichtung.

Das Prinzip der Gegenseitigkeit, der Reziprozität, nimmt dabei eine gewichtige Rolle ein. Dafür gibt es unzählige Redewendungen: von „Do ut des“ (ich gebe, damit Du gibst), „eine Hand wäscht die andere“, bis hin zu Äußerungen wie „Der reiche Mann teilt schon deshalb mit seinem armen Nachbarn, auch wenn er nicht barmherzig und wohltätig, aber vorausschauend und vorsichtig ist“ (Marie von Ebner-Eschenbach).

Dennoch gerät der Blick auf ein größeres Ganzes oft in Vergessenheit, und die Entfremdung von religiösen Weltbildern hat dazu geführt, dass das „Dreiecksverhältnis“ der der mittelalterlichen Lebens- und Gedankenwelt heute keine Rolle mehr spielt. Damals war das Almosengabe keine herablassende Geste: auch der Nehmende war in einem System inbegriffen, in dem es eben einen „Dritten“ gab. Im übergeordneten Heilsgeschehen hatte auch der Bettler daran Anteil, dass der Reiche gegenüber Gott seinem Auftrag der Barmherzigkeit nachkam. Beide kannten und wussten um den größeren Zusammenhang, den Gott in ihrem „Dreiecksverhältnis“ ausgemacht hat.

In Lateinamerika und Afrika habe ich erlebt, wie Spenden oder auch strukturelle
Entwicklungshilfe als erniedrigende Geste wahrgenommen werden. Das kann erst
aufgebrochen werden, wenn das Geben der „Ersten Welt“ in einen größeren
Zusammenhang von Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung gestellt wird und eine dritten Dimension als Spiegelpunkt einbezieht. Aber auch in unserer unmittelbaren Umgebung, bei der Überwindung der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich, wäre die Einbindung „des Dritten“ Anstoß zur Neu- und Umorientierung. Mit dem Verlassen des personalen Gottes im Koordinationssystem der persönlichen Lebensgestaltung ist vieles aus dem Lot gekommen.

Ein „Dreiecksverhältnis“ würde uns allen gut tun.

 

 


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